John Eliot Gardiner in der Kritik: Warum die Klassikszene ihm trotzdem treu bleibt
Lotta BrandtJohn Eliot Gardiner in der Kritik: Warum die Klassikszene ihm trotzdem treu bleibt
Dirigent John Eliot Gardiner steht nach Vorfall bei Bach-Festival in der Kritik
Ein Zwischenfall mit einer Mitarbeiterin bei einem Bach-Festival hat die Diskussionen über das Verhalten des renommierten Dirigenten John Eliot Gardiner neu entfacht. Die klassische Musikszene zeigt sich dennoch bereit, mit ihm weiterzuarbeiten.
Während des Schlussapplauses bei dem Festival berührte eine Mitarbeiterin Gardiners Schulter. Dieser drehte sich um, nahm eine Papierrolle und schob sie ihr entweder unter das Hemd oder hinter ihr Halskettchen. Später behauptete er, von ihrer Reaktion überrascht gewesen zu sein, und betonte, er habe das Papier lediglich hinter ihr Schmuckstück legen wollen.
Die Mitarbeiterin wehrte sich zunächst, nahm die Rolle schließlich aber doch an und verteilte weitere Blätter. Nach dem Vorfall weigerte sich Gardiners Monteverdi Choir, weiter mit ihm zusammenzuarbeiten, woraufhin er das Constellation Ensemble gründete.
Für Gardiner ist dies nicht die erste Kontroverse. Bereits früher hatte er sich für einen angeblichen Backstage-Vorfall in Frankreich entschuldigt, bei dem er einem Bassisten eine Ohrfeige gegeben haben soll, und absolvierte daraufhin eine kognitive Verhaltenstherapie. Zu dem jüngsten Zwischenfall äußerte er, er sehe kein Fehlverhalten seines Teils – trotz sich wandelnder gesellschaftlicher Normen.
Kritiker halten Gardiners Handeln für inakzeptabel, insbesondere weil die Mitarbeiterin nicht eingewilligt habe. Dennoch zeigt die klassische Musikwelt sich großzügig: Man vergibt ihm und arbeitet weiter mit ihm. Seine Karriere geht unvermindert weiter, doch die Debatte über sein Verhalten bleibt ungelöst.
