Angélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert rauschhafte Premiere in Wien
Paul MüllerAngélica Liddells radikale Performance Seppuku feiert rauschhafte Premiere in Wien
Am Donnerstag feierte Angélica Liddell im Wiener Volkstheater die Premiere ihrer neuesten Performance Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben. Die zweistündige Aufführung ist Teil der Wiener Festwochen, die sich in diesem Jahr unter dem Motto „Republik der Götter“ mit existenziellen Fragen beschäftigen.
Die Inszenierung rekonstruiert den rituellen Selbstmord des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima. Dieser hatte 1966 in einem Kurzfilm seinen eigenen Seppuku nachgestellt und nahm sich 1970 auf dieselbe Weise das Leben. Liddell lässt die Szene vor einem goldschimmernden Kachelhintergrund wiederaufleben.
Gleichzeitig verarbeitet sie persönliche Erlebnisse: Am 7. Januar 2024 wurde Liddell Zeugin, wie sich eine Frau in Madrids Gran Vía in den Tod stürzte. Für die Performance sammelte ihre Compagnie, Atra Bilis Teatro, Kleidungsstücke der Verstorbenen. Auf der Bühne trägt Liddell diese Gewänder und verkörpert so die Rollen und letzten Momente fremder Menschen.
Den Höhepunkt bildet eine ekstatische Rechtfertigung des Suizids, die Liddell selbst vorträgt. Zuvor lassen sie und eine weitere Performerin sich Blut abnehmen, vermischen es und schleudern es auf eine Leinwand. Die Sequenz wird von abrupten Unterbrechungen und makabrem Humor durchzogen.
Die Aufführung verbindet persönliches Trauma mit historischer Reenactment-Kunst. Sie konfrontiert das Publikum mit schonungsloser Intensität und einer kompromisslosen Auseinandersetzung mit dem Tod. Damit bleibt die Produktion ein prägender Beitrag zum diesjährigen Festivalprogramm.






