Hamburg streicht Notfallhilfe für unversicherte Migrant:innen – mit tödlichen Risiken
Lotta BrandtHamburg streicht Notfallhilfe für unversicherte Migrant:innen – mit tödlichen Risiken
Hamburgs Notfallhilfe für unversicherte Migrantinnen und Migranten ist ohne Mittel
Seit Mitte Mai 2025 lehnt die Stadt Hamburg die Kostenübernahme für dringend benötigte medizinische Behandlungen ab – das Notfallprogramm für unversicherte Geflüchtete und Migrant:innen ist pleite. Das Netzwerk Medinetz, das sich für Menschen ohne Krankenversicherungsschutz einsetzt, kritisiert die Sparmaßnahmen als gefährlich und unverantwortlich.
Die Clearingstelle im Hamburger Flüchtlingszentrum vermittelt unversicherten Personen den Zugang zu medizinischer Versorgung oder übernimmt in Notfällen die Behandlungskosten aus einem städtischen Fonds. 2024 bewilligte das Programm für 678 von 781 Antragstellenden Mittel in Höhe von rund 718.000 Euro – für Behandlungen und Medikamente.
Ursprünglich waren 500.000 Euro aus dem Haushalt vorgesehen. Doch im Mai wurden nur noch etwa 100.000 Euro freigegeben, sodass der Topf für Neuanträge leer ist. Die Nachfrage steigt seit Jahren stark an: Die Beratungszahlen kletterten von 284 im Jahr 2012 auf über 2.300 im vergangenen Jahr.
Medinetz fordert die Stadt nun auf, ihrem Koalitionsvertrag gerecht zu werden. Die Organisation verlangt die sofortige Freigabe der notwendigen Mittel sowie eine dauerhafte, bedarfsgerechte Finanzierung. Ähnliche Clearingstellen und Medinetz-Initiativen gibt es auch in anderen norddeutschen Bundesländern, etwa in Bremen, Hannover und Schleswig-Holstein.
Ohne diese Gelder müssen viele Unversicherte auf lebenswichtige Behandlungen verzichten – mit potenziell schwerwiegenden Folgen: chronische Verschlechterungen oder sogar tödliche Verläufe. Die Entscheidung der Stadt bedeutet, dass das Programm bis Jahresende keine neuen Fälle mehr unterstützen kann.






