10 May 2026, 12:09

Grüne streiten über Banaszaks Männerbild – Feminismus oder Ablenkung?

Schwarzes und weißes Foto einer Gruppe von Frauen, mit einer sitzend in der Mitte, aus der Frauenwahlrechtsbewegung, mit verschiedenen Alters- und Ethnien.

Grüne streiten über Banaszaks Männerbild – Feminismus oder Ablenkung?

In der Grünen Partei ist eine Debatte über Geschlechterpolitik neu entfacht, nachdem der Co-Vorsitzende Felix Banaszak sich offen über die Rolle von Männern im Feminismus geäußert hat. Sein jüngstes Interview mit Playboy markierte seinen ersten öffentlichen Vorstoß, junge Männer für progressive Ideen zu gewinnen. Gleichzeitig stellen sowohl rechtsextreme Kritiker als auch Parteikollegen seinen Ansatz infrage – die einen halten ihn für verfehlt, andere für eine Ablenkung von den Rechten der Frauen.

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Die Diskussion fällt in eine Zeit, in der Umfragen eine tiefe Spaltung unter jungen Wählern zeigen. Bei der letzten Bundestagswahl stimmten Männer unter 24 Jahren mehrheitlich für die rechtspopulistische AfD, während Frauen desselben Alters eher links der Mitte stehende Parteien bevorzugten. Der AfD-Politiker Maximilian Krah ging in einem Wahlkampfvideo 2024 sogar so weit, jungen Männern, die Schwierigkeiten haben, Partnerinnen zu finden, zu raten, sie sollten „nach rechts“ tendieren.

Banaszaks Haltung steht im krassen Gegensatz zu diesem Trend. Er argumentiert, dass starre Geschlechterrollen sowohl Männer als auch Frauen schaden und dass Männer den Feminismus aktiv unterstützen sollten. Im Playboy-Interview stellte er Gleichberechtigung nicht als Nullsummenspiel dar, sondern als gemeinsamen Gewinn. Zudem gestand er, sich für Gewalt gegen Frauen zu schämen, und rief Männer dazu auf, ihre eigenen Privilegien zu hinterfragen.

Seine Position stößt auf geteilte Reaktionen. Der Bundesfrauenrat der Grünen warnte, eine Verlagerung von Ressourcen hin zu Männerfragen könnte die Unterstützung für Frauen untergraben. Andere, wie Sven Lehmann – Mitautor des Parteimanifests Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich! von 2010 –, plädieren dafür, dass die Grünen einen versöhnlicheren Ton anschlagen sollten. Lehmann setzt sich mittlerweile für mehr Wohlwollen gegenüber Männern ein, statt sie ständig an den Pranger zu stellen.

Kritik kommt auch von außerhalb der Partei. Ein Kolumnist der Welt spottete über Banaszaks pinke Bürowände und bezeichnete die Grünen als unerträglich selbstgefällig. Die Farbwahl ist jedoch kein Novum: Schon vor zwei Jahrzehnten trug Torhüter Tim Wiese bei Spielen pinkfarbene Kleidung, ohne dass seine Männlichkeit infrage gestellt wurde.

Banaszaks Bemühungen, die Rolle von Männern im Feminismus neu zu definieren, haben Spannungen innerhalb der Grünen und darüber hinaus offengelegt. Während einige seinen Vorstoß für notwendig halten, befürchten andere, er könnte den Fokus auf die Rechte der Frauen verwässern. Die Debatte spiegelt die grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten wider, wie Geschlechterungleichheit in einem politisch gespaltenen Klima angegangen werden soll.

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