Wie Schwenningen in den 20er-Jahren sein Wahrzeichen gegen alle Widerstände baute
Lotta BrandtWie Schwenningen in den 20er-Jahren sein Wahrzeichen gegen alle Widerstände baute
Das alte Rathaus von Schwenningen, erbaut 1851, konnte den Anforderungen einer wachsenden Stadt nicht mehr gerecht werden. Die rasante Industrialisierung in den 1920er-Jahren ließ sowohl die Bevölkerung als auch die Ansprüche an die lokale Verwaltung steigen. Nach hitzigen Debatten beschlossen die Verantwortlichen, einen mutigen Neubau zu wagen – eines Gebäudes, das Funktionalität mit städtischem Stolz verbinden sollte.
Mitte der 1920er-Jahre war das bestehende Rathaus für die expandierende Stadtverwaltung Schwennningens längst zu klein geworden. Mit einer knappen Mehrheit von 14 zu 9 stimmte der Stadtrat 1926 trotz angespannter Finanzen nach dem Ersten Weltkrieg für den Bau eines neuen Gebäudes. Architekten wurden hinzugezogen, um den alten Bau zu begutachten, doch die Untersuchungen offenbarten gravierende Mängel, sodass das Rathaus bis auf die Kellerwände abgerissen werden musste.
Die Planung übertrug man Hans Herkommer, einem Architekten, der für seine klaren, schmucklosen Entwürfe von Kirchen und Fabriken bekannt war. Sein Konzept sah zwei markante Fassaden vor: eine mit einem repräsentativen Eingang und einer prominenten Uhr, die zur Kirche ausgerichtet war, die andere mit sieben Bögen, die den Stil der alten Sparkasse Richtung Marktplatz aufgriffen. Um den Verwaltungsbetrieb aufrechtzuerhalten, erfolgte der Bau in zwei Abschnitten, wobei der erste Teil bereits 1927 fertiggestellt wurde.
Doch die Kosten explodierten bald und überschritten das Budget um etwa 220.000 Reichsmark. Dennoch wurden die Arbeiten vorangetrieben, und am 30. Juni 1928 weihte Oberbürgermeister Dr. Lang von Langen das fertige Gebäude feierlich ein. Das neue Rathaus vereinte nun Verwaltung, öffentliche Dienstleistungen und städtische Feierlichkeiten unter einem Dach – konzipiert für Effizienz wie auch Repräsentation.
Das fertige Rathaus entwickelte sich schnell zu einem Wahrzeichen, das Funktionalität mit architektonischem Anspruch verband. Sein Design steht bis heute als deutliches Zeichen für Schwennningens Aufschwung im frühen 20. Jahrhundert. Trotz der Budgetüberschreitung bleibt das Gebäude ein zentraler Ort für den städtischen Alltag und das kommunale Selbstverständnis.






