Warum „Dinner for One“ seit 50 Jahren unseren Silvesterabend prägt

Admin User
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Ein Gebäude mit einer Glaswand, auf der Kleider an Bügeln, eine Schaufensterpuppe, ein Fahrrad, angeklebte Bilder und Schrift auf der Scheibe zu sehen sind.

Warum „Dinner for One“ seit 50 Jahren unseren Silvesterabend prägt

Jeden Silvesterabend versammeln sich Millionen in Deutschland und Österreich, um Dinner for One zu schauen – eine kurze Komödie, die seit über 50 Jahren den Jahreswechsel prägt. Die Handlung folgt Miss Sophie, einer betagten Dame aus der Oberschicht, die an ihrem Geburtstag ein Dinner für sich und vier längst verstorbene Freunde ausrichtet – verkörpert von ihrem zunehmend betrunkenen Butler James. Was in den 1960er-Jahren als britische Fernsehaufzeichnung begann, ist längst zu einem geliebten Ritual geworden, das die Stunden vor Mitternacht mit Lachen und einer Prise Melancholie füllt.

Die Szene spielt in einem prunkvollen englischen Salon um 1900, wo die 90-jährige Miss Sophie darauf besteht, ihren Geburtstag nach alter Tradition zu feiern. Ihre vier engsten Freunde – Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom – sind längst tot, doch sie weigert sich, ihre Abwesenheit zur Kenntnis zu nehmen. Stattdessen übernimmt ihr Butler James die Rolle jedes Gastes, wechselt zwischen den Plätzen, stößt auf ihr Wohl an und leert ihre Gläser.

Das Mahl selbst ist ein minutiös inszeniertes Spektakel, bei dem jeder Gang und jedes Getränk die starren Klassen- und Kolonialstrukturen der Epoche unterstreicht. Miss Sophie thront mit strenger Etikette über dem Tisch, während James zunehmend Mühe hat, die Fassung zu wahren – je betrunkener er wird, desto chaotischer geraten seine Verkörperungen. Seine tollpatschigen Versuche, den Ablauf aufrechtzuerhalten – während er Karaffen umstößt und seine Texte lallt –, bilden den Kern der Komik. Im Laufe des Abends wird immer deutlicher, dass das wahre Verhältnis zwischen den beiden von Abhängigkeit, Vertrautheit und stiller Verzweiflung geprägt ist.

Ursprünglich von dem britischen Schauspieler Freddie Frinton – 1909 in London geboren – aufgeführt, wurde der Sketch 1963 erstmals im deutschen Fernsehen gezeigt. Schon in den frühen 1970er-Jahren hatte er sich als fester Bestandteil des Silvesterprogramms etabliert und bietet den Zuschauern bis heute eine Mischung aus Absurdität und nachdenklicher Reflexion. Der Humor speist sich nicht nur aus James’ Trunkenheit, sondern auch aus der grotesken Beharrlichkeit der Tradition, selbst angesichts von Einsamkeit und Verfall.

Seit Jahrzehnten ist Dinner for One mehr als bloße Unterhaltung. Es ist selbst zum Ritual geworden, das den Übergang ins neue Jahr strukturiert und dabei sanft die Bräuche verspottet, die einst ein Empire definierten. Die anhaltende Beliebtheit des Sketches unterstreicht seine zwiespältige Natur: eine Farce über Klasse und Altern, zugleich aber auch eine Erinnerung daran, wie Traditionen – so absurd sie auch sein mögen – den unvermeidlichen Wandel des Lebens mit Würde begleiten können.