Traditionsverlag Aschendorff gibt Zeitungen nach 300 Jahren aus der Hand
Paul MüllerTraditionsverlag Aschendorff gibt Zeitungen nach 300 Jahren aus der Hand
Aschendorff, ein familiengeführter Verlag mit 300-jähriger Tradition, verkauft seine Zeitungstitel an die Rheinische Post Mediengruppe. Die Transaktion betrifft einflussreiche Blätter im Münsterland und in Ostwestfalen, die zusammen täglich rund 152.300 zahlende Leser erreichen. Die Verleger entschieden sich für den Käufer nicht nach dem höchsten Gebot, sondern aufgrund gemeinsamer Werte.
Benedikt und Eduard Hüffer, die neunte Generation an der Spitze von Aschendorff, führten die Verhandlungen diskret. Um Unsicherheit bei Mitarbeitern und Lesern zu vermeiden, verzichteten sie auf eine öffentliche Ausschreibung und verhandelten stattdessen exklusiv mit der Rheinischen Post – einer Gruppe, die für ihre konservativ-liberale redaktionelle Ausrichtung bekannt ist.
Für die Hüffers stand ein Käufer im Vordergrund, der ihre Überzeugung von Stakeholder-Einbindung und gesellschaftlicher Verantwortung teilte. Finanzielle Aspekte traten in den Hintergrund, während der Erhalt der journalistischen Identität der Zeitungen Priorität hatte. Andere Interessenten wie Funke oder Mediahuis wurden nicht ernsthaft in Betracht gezogen.
Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Bundeskartellamt, doch Insider rechnen mit einer zügigen Entscheidung. Eine offene Frage bleibt: Ob die Rheinische Post den übernommenen Titeln einen gemeinsamen überregionalen oder regionalen Mantelteil zur Verfügung stellen wird.
Der Deal markiert das Ende einer Ära für Aschendorff, das drei Jahrhunderte lang in Familienhand blieb. Der neue Eigentümer übernimmt Zeitungen mit starker regionaler Verankerung und einer treuen Leserschaft. Die letzten Schritte des Übergangs hängen nun von der behördlichen Freigabe ab.






