Tödlicher Konflikt: Soll ein "Problemwolf" im Schwarzwald sterben, um Menschen zu schützen?
Miriam AlbrechtKretschmann verärgert: Der Wolf weiß nichts von der Wahlkampagne - Tödlicher Konflikt: Soll ein "Problemwolf" im Schwarzwald sterben, um Menschen zu schützen?
Die umstrittene Entscheidung, einen männlichen Wolf im Nordschwarzwald Baden-Württembergs zu töten, hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Das Tier, das nach wiederholten Annäherungen an Menschen als "Problemwolf" eingestuft wurde, steht nun im Mittelpunkt eines Rechtsstreits. Umweltverbände und Kritiker verurteilen den Schritt scharf, während Behörden auf die Notwendigkeit zum Schutz der öffentlichen Sicherheit verweisen.
In den vergangenen fünf Jahren hat Baden-Württemberg zwölf Wölfe als "Problemtiere" klassifiziert – zwei im Jahr 2021, drei 2022, vier 2023, zwei 2024 und einen 2025. Diese Einstufungen folgen strengen Kriterien, etwa nachgewiesene Angriffe auf Nutztiere trotz Schutzmaßnahmen, wie sie in §15 des Wolfsschutzgesetzes geregelt sind. Die Regelungen des Landes sind dabei strikter als etwa in Bayern, wo eine Tötung erst bei unkontrollierbaren Schäden erfolgt, oder in Niedersachsen, wo weiter gefasste risikobasierte Entnahmen erlaubt sind.
Im aktuellen Fall geht es um einen Wolfsrüden am Hornisgrinde, dessen Tötung wegen ungewöhnlichen Verhaltens angeordnet wurde. Die Maßnahme fällt in die Paarungszeit der Wölfe, in der sie sich häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen aufhalten. Bis das Verwaltungsgericht Stuttgart – voraussichtlich in den kommenden Tagen – sein Urteil spricht, bleibt das Tier rechtlich vor einer Tötung geschützt.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann verteidigte die Entscheidung und betonte, dass es ausschließlich um den Schutz von Menschen gehe, nicht um eine Bestandsregulierung. Gerüchte, die Genehmigung sei vor den anstehenden Wahlen politisch motiviert, wies er zurück. Kretschmann zeigte sich zudem überrascht von der emotionalen Heftigkeit der Kritik und erklärte, das Verhalten des Wolfs mache den Fall zu einer Ausnahme.
Die anstehende Gerichtsentscheidung wird darüber befinden, ob die Tötung vollzogen wird. Bei einer Genehmigung wäre dies ein weiterer Fall, in dem Baden-Württemberg seine strenge Wolfsmanagement-Politik durchsetzt. Der Streit zeigt bereits jetzt, wie tief die Gräben zwischen Artenschutz und öffentlicher Sicherheit sind.






