30 January 2026, 02:18

Theaterpreise in der Krise: Wie Berliner Theatertreffen und Nestroy-Preis an Glaubwürdigkeit verlieren

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines vollen Theaters mit Menschen auf der Bühne und Vorhang im Hintergrund sowie Text unten.

Theaterpreise in der Krise: Wie Berliner Theatertreffen und Nestroy-Preis an Glaubwürdigkeit verlieren

Zwei der renommiertesten Preise im deutschsprachigen Theater stehen zunehmend in der Kritik – ihr Niveau sinke stetig. Sowohl das Berliner Theatertreffen als auch der österreichische Nestroy-Preis, einst Symbole künstlerischer Exzellenz, wirken heute abgehoben von der breiten Theaterlandschaft. Beobachter werfen beiden Veranstaltungen vor, sich in einem elitären Zirkel zu bewegen und echte Leistungen zugunsten eines kleinen Kreises zu vernachlässigen.

Die diesjährigen Auswahlentscheidungen haben diese Bedenken kaum zerstreut.

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Das Berliner Theatertreffen, einst ein Pflichttermin im Theaterkalender, hat viel von seinem einstigen Glanz eingebüßt. Noch in vergangenen Jahrzehnten wurden die Einladungen mit Spannung erwartet, und Regiegrößen wie Peter Zadek oder Claus Peymann waren regelmäßig vertreten. Heute gilt das Festival vielen als willkürliche Nebenschau. Eine verpflichtende 50-Prozent-Quote für Regisseurinnen erschwert es zudem, unabhängig von künstlerischer Qualität die besten Inszenierungen zu präsentieren.

Im Mai dieses Jahres schaffte es nur eine österreichische Produktion – Fräulein Else – in die Berliner Auswahl, flankiert von zwei deutsch-österreichischen Koproduktionen im Rahmen von Milo Raus Wiener Festwochen. Das Stück, inszeniert von Kay Voges, dominierte sowohl in Berlin als auch in Wien die Preisvergaben: Hauptdarstellerin Julia Riedler erhielt den Nestroy als Beste Hauptrolle. Doch selbst dieser Erfolg wurde von Kritik an der Regie von Leonie Böhm überschattet.

Auch der Nestroy-Preis, Österreichs wichtigste Theaterauszeichnung, sieht sich mit Vorwürfen des Niedergangs konfrontiert. 2023 wurde das Wiener Volkstheater zum zweitbedeutendsten Bühnenhaus im deutschsprachigen Raum gekürt – mit nur vier von 45 Kritikerstimmen. Gleichzeitig erntete eine Produktion des Hauptmanns von Köpenick aus Cottbus in Berlin Lob, doch die Jurybegründung galt als weitgehend fehlerhaft und wenig überzeugend.

Beide Veranstaltungen, so die Beobachtung, agieren mittlerweile in einer hermetisch abgeriegelten Blase, in der sich dieselben Namen und Ergebnisse ständig wiederholen. Theaterkritiker schlagen vor, die Krise des Genres mit radikalen Reformen zu bekämpfen: durch den Verzicht auf Starbesetzungen zugunsten unbekannter Talente, durch schlichtere Produktionen und eine Umverteilung der Subventionen hin zu Miettheatern, Popkonzerten und öffentlichen Diskussionsformaten. Bisher blieb es jedoch bei Forderungen.

Die Auswahl 2024 bestätigt den Trend zur Abschottung – sowohl beim Theatertreffen als auch beim Nestroy-Preis. Mit Fräulein Else als einziger österreichischer Produktion in Berlin und anhaltenden Debatten über Gerechtigkeit ringen beide Formate um ihre einstige Glaubwürdigkeit. Die Theaterszene blickt gespannt darauf, ob es den einst gefeierten Institutionen gelingt, ihre Relevanz zurückzugewinnen.