Thailands wilde Tiger erholen sich – doch in Gefangenschaft leiden sie weiter
Miriam AlbrechtThailands wilde Tiger erholen sich – doch in Gefangenschaft leiden sie weiter
Ein tiefer, dröhnender Brüll hallt durch die schwüle Luft des Tigerparks in Pattaya. Doch hinter den Kulissen wachsen die Sorgen über die Haltung von Tigern, die für die Touristenunterhaltung gezüchtet werden. Während Thailands Population wildlebender Tiger Anzeichen einer Erholung zeigt, bleibt das Schicksal der Tiere in Gefangenschaft von Ausbeutung und lascher Durchsetzung der Schutzgesetze geprägt.
Die Zahl der wilden Tiger in Thailand hat sich in den letzten Jahren langsam erholt. Offizielle Berichte und Erhebungen des WWF schätzen, dass heute zwischen 148 und 200 Tiger in geschützten Gebieten – insbesondere im Western Forest Complex – umherstreifen. Dieser Fortschritt ist auf verstärkte Anti-Wilderer-Patrouillen, strengere Gesetze gegen den Wildtierhandel und Maßnahmen zum Erhalt des Lebensraums zurückzuführen.
Doch in Touristenhochburgen wie Pattaya sieht die Realität für die Tiger anders aus. Jungtiere werden ständig nachgezüchtet, um Attraktionen zu beliefern, was zu Inzucht und gesundheitlichen Risiken führt. Trainer setzen oft brutale Methoden ein – darunter auch Metallstangen –, um die Tiere bereits im jungen Alter zu brechen. Das Ergebnis sind ungewöhnlich zahme Tiger, die es Besuchern ermöglichen, mit ihnen Selfies zu machen oder sie ohne Widerstand zu berühren.
Tierschutzorganisationen werfen den Parkbetreibern vor, Profit über Artenschutz zu stellen. Im Gegensatz zu wildlebenden Tigern tragen Gefangenschaftstiger selten zur Erholung der Art bei. Stattdessen verschwinden viele im illegalen Handel mit Tigern und Tigerteilen. Zwar gibt es strenge Gesetze zum Schutz dieser Tiere, doch schwache Umsetzung und Korruption lassen sie oft wirkungslos.
Die öffentliche Haltung ändert sich. Immer mehr europäische Touristen meiden Aktivitäten wie Elefantenritte oder Tigerbegegnungen, da das Bewusstsein für Tierquälerei wächst.
Der Kontrast zwischen den sich erholenden wilden Tigern Thailands und der Ausbeutung der Tiere in Gefangenschaft könnte nicht größer sein. Während die Schutzbemühungen in den Reservaten Hoffnung machen, bleibt die Zukunft der für die Unterhaltungsindustrie gezüchteten Tiger ungewiss. Ohne strengere Kontrollen und eine bessere Überwachung wird sich der Kreislauf aus Misshandlung und illegalem Handel voraussichtlich fortsetzen.






