Tessin protestiert gegen Medienkürzungen: 6.000 demonstrieren für die RSI
Miriam AlbrechtTessin protestiert gegen Medienkürzungen: 6.000 demonstrieren für die RSI
Tausende versammelten sich am Samstag in Bellinzona, um gegen die Initiative „200 Franken reichen“ zu protestieren. Die Demonstration richtete sich gegen die geplante Kürzung der öffentlichen Rundfunkanstalten – insbesondere der Radiotelevisione svizzera (RSI), die die italienischsprachige Schweiz bedient. Die Veranstalter warnten, dass die vorgeschlagenen Einsparungen die Region besonders hart treffen würden.
Der Protestzug startete am Bahnhof und zog in Richtung Regierungsgebäude. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 2.000 Personen, während die Organisatoren von etwa 6.000 Demonstranten sprachen. Kulturelle, soziale und sportliche Vereine hatten zur Teilnahme aufgerufen und argumentiert, die Initiative würde den Tessin im Vergleich zu anderen Regionen unverhältnismäßig benachteiligen.
Eine Studie der BAK Economics bestätigt diese Befürchtungen. Demnach würde die italienischsprachige Schweiz bei einer Annahme der Vorlage wirtschaftlich stärker leiden als andere Landesteile. Der Einfluss der SRG auf die Wirtschaft des Tessins liegt bereits beim Vierfachen des nationalen Durchschnitts – eine weitere Zentralisierung der Medien könnte die Randregionen zusätzlich schwächen.
Die RSI beschäftigt 1.124 Mitarbeiter, davon sind 18 Prozent der Stellen in der italienischsprachigen Schweiz angesiedelt. Befürworter betonen ihre Bedeutung für den Erhalt der italienischen Sprache und der lokalen Kultur. Das Initiativekomitee hingegen argumentiert, die Abschaffung der Doppelbesteuerung würde die finanzielle Belastung für Unternehmen, Familien und die Mittelschicht verringern.
Marco Chiesa (SVP), Mitglied des Initiativekomitees, besteht darauf, dass die RSI dennoch Einsparungen vornehmen könnte. Er ist der Meinung, der Sender solle sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren, statt sein Angebot auszuweiten.
Die Demonstration machte die tiefen Sorgen über die möglichen Folgen der Initiative für den Tessin deutlich. Da die RSI eine zentrale Rolle für die Wirtschaft und kulturelle Identität der Region spielt, fürchten Gegner, eine Annahme würde zu Arbeitsplatzverlusten und einem Rückgang der Dienstleistungen führen. Die Debatte geht nun in die nächste Runde: Über die Vorlage wird auf nationaler Ebene abgestimmt.






