Söder fordert mehr Arbeitsstunden – SPD kontert mit Renten-Debatte und Tarifautonomie
Ida SchmitzSPD-Sozialexpertin: Söders Aussagen zu Mehrarbeit 'abwegig' - Söder fordert mehr Arbeitsstunden – SPD kontert mit Renten-Debatte und Tarifautonomie
In Deutschland hat sich eine Debatte über Arbeitszeiten und Renten zwischen politischen Spitzenpolitikern entfacht. Markus Söder, Vorsitzender der CSU, schlug vor, dass Arbeitnehmer wöchentlich eine zusätzliche Stunde arbeiten sollten, um die Wirtschaft zu stärken. Die SPD-Politikerin Annika Klose lehnte den Vorschlag umgehend ab und argumentierte, Arbeitnehmer leisteten bereits genug – stattdessen müsse der Fokus auf fairen Rentenbedingungen liegen.
Söders Idee war Teil eines umfassenderen Appells, die "Rente mit 63" schrittweise abzuschaffen, die einen vorzeitigen Ruhestand ohne finanzielle Abzüge ermöglicht. Die zusätzliche Arbeitsstunde präsentierte er als Mittel, um die Produktivität angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen zu steigern.
Klose entgegnete, das eigentliche Problem liege nicht in der Bereitschaft der Arbeitnehmer, sondern in ihrer Fähigkeit, länger im Berufsleben zu bleiben. Viele über 60-Jährige hätten Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – oft wegen fehlender Weiterbildungsmöglichkeiten nach dem 55. Lebensjahr. Die aktuelle Rentendebatte, betonte sie, drehe sich darum, die volle Rente mit 65 zu sichern – nicht mit 63.
Bei den Arbeitszeiten bestand Klose darauf, dass solche Entscheidungen Sache der Tarifverhandlungen und nicht der Politik seien. Sie wies Vorwürfe zurück, deutsche Arbeitnehmer würden zusätzliche Arbeit meiden, und verwies darauf, dass Vollzeitkräfte im Schnitt bereits 41 Stunden pro Woche arbeiteten. Diese Zahl sei in den vergangenen fünf Jahren stabil geblieben, während Teilzeitarbeit stark zugenommen habe – in einigen Bereichen von etwa 25 auf über 32 Prozent.
Treiber dieses Wandels sind unter anderem psychische Belastungen, Fachkräftemangel und demografische Verschiebungen. Bis 2030 wird erwartet, dass die Erwerbsbevölkerung jährlich um 360.000 Menschen schrumpft. Gleichzeitig prägen wirtschaftliche Zwänge – etwa die Verlängerung der Kurzarbeit bis 2026 – die Beschäftigungsstrukturen.
Der Streit spiegelt die größeren Spannungen in der Arbeitsmarkt- und Rentensicherungspolitik wider. Da es keine Einigung auf Söders Vorschlag gibt, rückt nun die Frage in den Mittelpunkt, wie eine alternde Belegschaft am besten unterstützt werden kann. Vorerst bleiben die bestehenden Regelungen zu Rente und Arbeitszeiten unverändert.






