Schweizer Familie kämpft gegen unerlaubte Vermarktung des "Richi"-Memes
Paul MüllerSchweizer Familie kämpft gegen unerlaubte Vermarktung des "Richi"-Memes
Eine Schweizer Familie wehrt sich gegen die unerlaubte kommerzielle Nutzung eines viralen Memes, das ihren Sohn zeigt. Das als "Richi"-Meme bekannte Video zeigt einen Jungen, der von einem Bagger fällt, während sein Vater erschrocken ruft. Die Familie betont, niemals ihre Zustimmung zur weitverbreiteten Verwendung ihres Bildes oder ihrer Stimme gegeben zu haben.
Das Meme stammte ursprünglich aus einer Folge der Schweizer TV-Serie "Auf und davon" von 2010. Mit der Zeit entwickelte es sich zu einem globalen Internetphänomen, das in Liedern, Merchandise-Artikeln und sogar bei Sportevents auftauchte. Nun wehrt sich die Familie gegen die Ausbeutung ihres privaten Moments.
Der Ausschnitt entstammt einer SRF-Dokumentation aus dem Jahr 2010, in der ein Schweizer Junge in Kanada den Halt an einem Bagger verliert. Der verzweifelte Ruf seines Vaters – "Richiii! I ha gseit, du söusch di guet häbe!" – wurde zum Kernstück des Memes. Das Video verbreitete sich rasant im Netz und erreichte in verschiedenen Versionen über eine Million Aufrufe.
Bald nutzten Unternehmen und Kreative die Popularität des Clips für kommerzielle Zwecke. Es erschienen Merchandise-Artikel wie Socken, Aufbügelmotive und sogar ein Kinderbuch. 2022 veröffentlichte die Schweizer Band Stubete Gäng einen Song mit dem Titel "Richi", in dem sie die Stimme des Vaters ohne Erlaubnis verwendete. Der Track wurde sogar zur inoffiziellen Torhymne der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM 2024 in Prag.
Nach den Protesten der Familie willigte Stubete Gäng ein, den Song ohne die Originalstimme neu aufzunehmen. Auch der Schweizer Eishockeyverband verzichtete auf "Richi" als Torjubel-Melodie. Unterdessen hatten die Studenten Leon Schüep und Florens Moor bereits ein Kartenspiel auf Basis des Memes entwickelt – ein weiteres Beispiel für dessen kommerzielle Vermarktung.
Die Familie betont, zu keinem dieser Nutzungen befragt worden zu sein. Ihr Widerstand hat mittlerweile mehrere Beteiligte dazu gebracht, ihre Verbindung zum Meme zu überdenken.
Die Einwände der Familie führen nun zu Änderungen im Umgang mit dem "Richi"-Meme. Stubete Gäng wird eine neue Version des Songs ohne den ursprünglichen Audioausschnitt veröffentlichen, und der Eishockeyverband spielt das Lied bei Spielen nicht mehr ab.
Trotz seines viralen Erfolgs sieht sich das "Richi"-Meme nun Einschränkungen bei der kommerziellen und öffentlichen Nutzung gegenüber. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zu rechtlichen und ethischen Aspekten von Internetinhalten und deren unerlaubter Vermarktung auf.






