Schweizer Armee will Pensionäre zurückholen – und löst skurrile Vorschläge aus
Paul MüllerSchweizer Armee will Pensionäre zurückholen – und löst skurrile Vorschläge aus
Schweizer Parlament billigt Rückkehr von Pensionären in die Armee – und löst kreative Debatten aus
Das Schweizer Bundesparlament hat einen Plan verabschiedet, nach dem ehemalige Soldaten auf freiwilliger Basis wieder in den Militärdienst zurückkehren können. Die Entscheidung hat nicht nur Zustimmung, sondern auch kreative – mitunter skurrile – Vorschläge ausgelöst, wie weitere Bevölkerungsgruppen zur Landesverteidigung beitragen könnten. Währenddessen tourt der Komiker Simon Enzler mit seinem aktuellen Programm Brenzlig durch die Schweiz und verbindet dabei scharfe politische Satire mit seinem markanten Appenzeller Dialekt.
Der Beschluss, pensionierte Truppen zu reaktivieren, passierte beide Kammern des Parlaments, doch konkrete Umsetzungsschritte seitens der Armee stehen noch aus. Zwar gibt es bisher keinen offiziellen Plan, doch die Idee hat eine breitere Diskussion über ungenutzte Potenziale in der Schweizer Gesellschaft angestoßen.
Einige Beobachter halten es für kurzsichtig, sich allein auf ältere Soldaten zu verlassen. Stattdessen schlagen sie vor, den Kreis zu erweitern und Zivilisten mit besonderen Fähigkeiten einzubinden. Golfer könnten als Scharfschützen dienen, erfahrene Wanderer den Gegner durch manipulierte Wegweiser in die Irre führen. Und Gleitschirmflieger, so die These, ließen sich gar zu Drohnen für Aufklärungs- oder Kampfeinsätze umfunktionieren – ferngesteuert natürlich.
Andere gehen noch einen Schritt weiter: Der ohrenbetäubende Klang des Alphorns, jenes traditionellen Schweizer Instruments, ließe sich als psychologische Waffe einsetzen, um Gegner zu verwirren. Bäuerinnen könnten Feldküchen leiten, Großmütter Tarnnetze stricken. Selbst leidenschaftliche Briefeschreiber und Verschwörungstheoretiker wurden bereits als mögliche Rekruten für eine Propagandaeinheit ins Spiel gebracht – ihre Aufgabe: gezielte Falschinformationen streuen, um Gegner zu desorientieren.
Abseits der militärischen Debatten bleibt Simon Enzler eine prägende Stimme der Schweizer Kultur. Sein elftes Bühnenprogramm Brenzlig ist derzeit auf Tournee. Bekannt für seinen messerscharfen politischen Witz und seinen dicken Appenzeller Akzent, machte er erstmals 2007 auf sich aufmerksam, als er den renommierten Salzburger Stier, einen der wichtigsten Kleinkunstpreise, gewann. In seiner Satire seziert er gesellschaftliche Eigenheiten – darunter auch genau jene Themen, die jetzt die Diskussionen über die Landesverteidigung dominieren.
Die parlamentarische Entscheidung öffnet pensionierten Soldaten zwar die Tür für eine Rückkehr in den Dienst, doch konkrete Maßnahmen stehen noch aus. Die breitere Debatte zeigt jedoch, wie die Schweiz ihre Verteidigungsstrategien neu denken könnte – indem sie alltagsnahe Fähigkeiten nutzt. Die Armee hat sich zu den spekulativen Vorschlägen bisher nicht geäußert, doch die Diskussion spiegelt ein Land wider, das in unsicheren Zeiten über alle möglichen Ressourcen nachdenkt. Enzler hingegen verwandelt dieselben Ideen derweil auf den Bühnen des Landes in komödiantisches Gold.






