Özdemirs knapper Wahlsieg: Kann die grüne CDU-Koalition in Baden-Württemberg weiterregieren?
Lotta BrandtÖzdemir setzt auf weitere 'Koalition auf Augenhöhe' mit der CDU - Özdemirs knapper Wahlsieg: Kann die grüne CDU-Koalition in Baden-Württemberg weiterregieren?
Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen in Baden-Württemberg, strebt nach einem knappen Wahlsieg die Fortsetzung der Koalition mit der CDU an. Das Ergebnis markiert ein weiteres Kapitel im Wandel des Landes – weg von konservativer Vorherrschaft hin zu einer Partnerschaft, die wirtschaftliches Wachstum mit Klimaschutz verbindet. Özdemir betont, sein Ansatz stehe für Stabilität und nicht für Parteidenken.
Die politische Landschaft in Baden-Württemberg begann sich 2011 zu verändern, als Winfried Kretschmanns Grüne nach der Fukushima-Katastrophe an die Macht kamen. Seine Führung beendete die jahrzehntelange CDU-Herrschaft und führte ab 2016 zu einer pragmatischen Koalition, die industrielle Interessen mit ökologischen Zielen in Einklang brachte. Unter Kretschmann führte das Land Reformen ein wie den Nationalpark Schwarzwald, die Solarpflicht für Neubauten und ein dichtes Netz an Ladesäulen für Elektroautos. Die Regierung schloss sich zudem der "Under 2 Coalition" Kaliforniens an, um die Emissionen zu senken, und nahm die Suche nach Atomendlagerstandorten wieder auf.
Kretschmann trat im März 2026 nach 15 Jahren zurück und hinterließ ein zwiespältiges Erbe: Einerseits wurde er für seine Popularität und wirtschaftsfreundliche Haltung gelobt, andererseits kritisierten ihn manche Grüne als zu gemäßig. Bei der Wahl am 8. März trat Özdemir gegen den CDU-Herausforderer Manuel Hagel an. Umfragen sahen zunächst die Konservativen vorn, doch ein spätes Hoch der Grünen änderte die Lage. Özdemir hofft nun, die CDU knapp zu überflügeln und die Koalition auf Augenhöhe anzuführen.
Özdemir weist Vorwürfe zurück, sein Sieg sei einer Distanzierung von der eigenen Partei zu verdanken. Stattdessen will er von der Mitte aus regieren. Seine Strategie zielt darauf ab, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu verbinden – und sieht dabei die Unternehmen als stärkste Verbündete im Wandel. Stabilität und Verlässlichkeit, so sein Argument, werden seine Amtszeit prägen, nicht starre Parteilinien.
Gelingt sein Vorhaben, würde Özdemirs Koalition eine Jahrzehnt der grün-schwarzen Zusammenarbeit in Baden-Württemberg verlängern. Sein Fokus auf den Ausgleich zwischen Industrie und Umweltpolitik deutet auf Kontinuität zu Kretschmanns Kurs hin. Das Ergebnis wird zeigen, ob das Modell der pragmatischen Regierungsführung unter neuer Führung Bestand hat.