Machtkampf in Baden-Württemberg: CDU und Grüne liefern sich scharfe Duelle vor der Landtagswahl
Paul MüllerKampagne am Stammtisch: Özdemir und Hagel im Duell - Machtkampf in Baden-Württemberg: CDU und Grüne liefern sich scharfe Duelle vor der Landtagswahl
Der politische Machtkampf in Baden-Württemberg spitzt sich vor der Landtagswahl am 8. März 2026 zu. Beim traditionellen Politischer Aschermittwoch lieferten sich die Spitzenkandidaten von CDU und Grünen scharfe Wortgefechte, deuteten aber gleichzeitig eine mögliche Fortsetzung ihrer Koalition nach der Wahl an. Aktuelle Umfragen sehen die CDU mit 29 Prozent vorn, während die Grünen bei 23 Prozent liegen – ein Wandel, der das Ende von zehn Jahren grüner Regierungsführung unter Winfried Kretschmann einläuten könnte.
Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU, setzte in seiner Rede auf wirtschaftliche Stabilität und die Krisen der Automobilbranche. Er warf den Grünen "grüne Sabotage" vor, da diese ein Verbrenner-Aus planten, das seiner Meinung nach den industriellen Kern Deutschlands gefährde. Hagel griff zudem auf bekannte Themen wie Wohlstand und Leistungsbereitschaft zurück, doch Kritiker monierten, seine Vorschläge blieben vage und enthielten kaum neue Impulse.
Der scheidende Ministerpräsident Kretschmann, ein Urgestein der Grünen, wies Hagels Ideen als altbekannte Politik in neuem Gewand zurück. Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen, ging noch weiter und warf Hagel vor, in zentralen Fragen unberechenbar zu sein und keine konkreten Pläne vorzulegen. Joschka Fischer, ein weiterer prominenter Grüner, bezeichnete Hagels Vorgehen als "Erbschaftsdiebstahl" – ein Vorwurf, der auf den Versuch anspielt, sich Kretschmanns Erbe anzueignen.
Unterstützung erhielt die CDU von Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, der Özdemirs Wahlplakate verspottete und dessen Amtszeit als Bundeslandwirtschaftsminister kritisierte. Rhein warf den Grünen vor, die Bauern in den Debatten um Diesel-Subventionen ignoriert zu haben, und nannte ihren Ansatz bevormundend und arrogant. Trotz der hitzigen Auseinandersetzungen vermieden sowohl Özdemir als auch Hagel die schärfsten Angriffe – ein Zeichen dafür, dass beide Seiten eine Koalition nach der Wahl für das wahrscheinlichste Szenario halten.
Seit 2016 regieren CDU und Grünen Baden-Württemberg gemeinsam, doch diese Wahl könnte die CDU an die Spitze bringen. Sollten sich die Umfragen bestätigen, stünde ein Wechsel von einer grün geführten zu einer unionsgeführten Landesregierung bevor – die Zusammenarbeit der beiden Parteien würde jedoch fortbestehen.
Mit nur noch 20 Tagen bis zur Wahl liegt die CDU knapp vorn, doch die Grünen bleiben ein starker Konkurrent. Das Ergebnis wird entscheiden, ob die nächste Regierung in Stuttgart schwarz oder grün geprägt sein wird – auch wenn sich beide Seiten bereits auf eine erneute Zusammenarbeit einzustellen scheinen. In der heißen Phase des Wahlkampfs dürften nun vor allem Wirtschaftspolitik, industrielle Zukunftsfragen und das Erbe von Kretschmanns zehnjähriger Amtszeit im Mittelpunkt stehen.






