Kulturminister Weimer in der Kritik: Buchpreise gestrichen, Berlinale-Skandal und Rücktrittsforderungen
Lotta BrandtKulturminister Weimer in der Kritik: Buchpreise gestrichen, Berlinale-Skandal und Rücktrittsforderungen
Wolfram Weimer, der Staatsminister für Kultur und Medien, steht wegen mehrerer jüngster Entscheidungen zunehmend in der Kritik. Die jüngste Kontroverse betrifft die Absage der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises. Gleichzeitig fordern Kulturverbände und politische Gegner seinen Rücktritt.
Die Auseinandersetzungen drehen sich um seinen Umgang mit dem Ausschluss von Buchhandlungen, Verzögerungen beim Bau der Nationalbibliothek in Leipzig sowie angebliche Versuche, die Direktorin der Berlinale abzulösen. Trotz der massiven Kritik bekunden wichtige Regierungsvertreter weiterhin ihre Unterstützung für ihn.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verurteilte Weimer scharf, nachdem dieser Prüfungen bestimmter Buchhandlungen durch den Verfassungsschutz veranlasst hatte. Dies führte zu deren Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis und löste Empörung aus. Als Reaktion sagte Weimer die gesamte Preisverleihung ab.
Gleichzeitig gab es Berichte, wonach er versucht habe, Tricia Tuttle, die Direktorin der Berlinale, zu entlassen. Weimer wies diese Vorwürfe zurück, lobte Tuttles Arbeit, kritisierte jedoch gleichzeitig, was er als "Israel-Hass" (antisraelische Haltung) und aktivistischen Einfluss auf dem Festival bezeichnete. Tuttle blieb letztlich im Amt, doch es wurden neue Festivalrichtlinien eingeführt.
Weitere Kritik kam vom Buchenwald-Dora-Verein der Zwangsarbeiter und der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora. Sie forderten Weimer auf, bei der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers nicht zu sprechen. Auch sein Stopp der Bauarbeiten an der Erweiterung der Leipziger Nationalbibliothek stieß bei Kultureinrichtungen auf scharfe Ablehnung.
Im Bundestag räumte Friedrich Merz, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU, ein, dass Weimer eine polarisierende Figur bleibe. Dennoch bekräftigte er sein Vertrauen in den Minister. Auch Bundeskanzler Scholz verteidigte Weimer und hob dessen allgemeine Verdienste für den Kulturbereich hervor. Weder die Regierung noch Merz gingen konkret auf die Vorwürfe zur Entlassung Tuttles oder die Buchhandelsausschlüsse ein.
Die Kontroversen um Wolfram Weimer zeigen keine Anzeichen einer Beruhigung. Seine Entscheidungen haben Proteste von Buchhandelsverbänden, Kulturschaffenden und politischen Gegnern ausgelöst. Doch mit der Rückendeckung von Scholz und Merz bleibt er vorerst im Amt.
Die abgesagte Preisverleihung und die anhaltenden Streitigkeiten über seine Politik deuten auf weitere Konflikte hin. Die Kulturszene bleibt in der Bewertung seiner Führung gespalten.






