Kirchheim unter Teck vergibt Grundstücke nach Konzept statt nach Höchstgebot
Ida SchmitzKirchheim unter Teck vergibt Grundstücke nach Konzept statt nach Höchstgebot
Ein neues Wohnprojekt in Kirchheim unter Teck setzt auf ein ungewöhnliches Verfahren zur Grundstücksvergabe
In Kirchheim unter Teck wird bei der Entwicklung des neuen Stadtteils Steingau-Viertel ein unkonventioneller Ansatz verfolgt: Statt die Grundstücke an den Höchstbietenden zu verkaufen, entschied sich die Stadt für das überzeugendste Konzept – mit dem Ziel, das Gemeinwohl über finanzielle Interessen zu stellen.
Das Gebiet westlich der historischen Altstadt beherbergt bereits rund 850 Bewohner in 45 Gebäuden. Nun soll es durch Projekte erweitert werden, die nicht nach dem Preis, sondern nach ihrem sozialen und städtebaulichen Nutzen ausgewählt wurden.
Als Grundlage legte die Stadt feste Bodenpreise fest, die auf unabhängigen Gutachten basierten. Dies sicherte ein faires und transparentes Auswahlverfahren, das Entwicklern unterschiedlicher Größe die Teilnahme ermöglichte. Das Interesse an den Grundstücken war groß: Die Nachfrage überstieg das Angebot um etwa das Dreifache.
Anstelle einer klassischen Versteigerung setzte die Stadt auf ein beratschlagendes Verfahren, ähnlich einer Jury-Diskussion. Jeder Entwurf wurde nach seinen Stärken bewertet – mit Fokus auf soziale Vielfalt, gestalterische Qualität und funktionale Nachbarschaftsplanung. Den Zuschlag erhielt nicht das höchste Gebot, sondern das Konzept, das diese Ziele am besten erfüllte.
Zusätzlich verlangte die Stadt für jede Baustufe eine gemeinsame Tiefgaragenlösung. Leitprojekte in dem Viertel wurden mit dem Bau und der Verwaltung dieser Anlagen beauftragt. Um den Entwicklungsprozess zu erleichtern, unterstützten die Behörden in der frühen Ansiedlungsphase organisatorisch – etwa bei der Gründung eines unabhängigen Quartiersnetzwerks.
Der Fortschritt wurde durch regelmäßige Überprüfungen eng begleitet. Grundstücke wurden erst verkauft, wenn Bau- und Genehmigungsplanung bereits weit fortgeschritten waren. Diese sorgfältige Kontrolle stellte sicher, dass die Projekte im Plan blieben und den städtischen Standards entsprachen.
Entscheidend für den Erfolg waren klare Kommunikation, realistische Zeitpläne und eindeutig definierte Verantwortlichkeiten. Zudem war eine ausreichende administrative Kapazität nötig, um den Prozess effizient zu steuern.
Das Steingau-Viertel wird nun mit Projekten voranschreiten, die vor allem der Gemeinschaft dienen. Der Ansatz der Stadt garantiert, dass neue Entwicklungen langfristigen Gemeinwohlzielen folgen – und nicht kurzfristigen Profiten. Durch die Betonung von Gestaltung, Vielfalt und Funktionalität strebt Kirchheim unter Teck ein zusammenhängendes und nachhaltiges Quartier an.






