Kampf um das Casa del Poeta: Literarisches Erbe in Gefahr
Die Zukunft des Casa del Poeta, einst Wohnort von Ramón López Velarde, bleibt nach jüngsten Regierungsmaßnahmen ungewiss. Die Dichterin María Rivera hat linke Amtsträger offen für ihren Umgang mit dem historischen Ort kritisiert und dies als Verlust für die literarische Gemeinschaft Mexikos bezeichnet.
Eine Petition auf Change.org fordert nun einen Stopp der Pläne, die den ursprünglichen Zweck des Gebäudes verändern könnten.
Am vergangenen Donnerstag, dem 4. Juni, eröffnete Ana Francis Mor, die Kultursekretärin der Stadt, das nun in Haus der Worte umbenannte Gebäude. Bei der Veranstaltung wurde mit keinem Wort die dort früher untergebrachten Bibliotheken von Salvador Novo und Efraín Huerta erwähnt. Unterdessen haben weder die Regierung von Mexiko-Stadt noch das Kultursekretariat eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall abgegeben.
Dichter:innen und Forscher:innen, die sich mit López Velardes Werk beschäftigen, werfen den Behörden Enteignung und autoritäres Vorgehen vor. Sie behaupten, die Regierung zeige kaum Interesse daran, das Erbe des Dichters oder die literarische Bedeutung des Gebäudes zu bewahren. Rivera wies die Behauptung zurück, frühere Schäden am Casa del Poeta seien behoben worden, und argumentierte, dass dessen zentraler Auftrag gerade ausgelöscht werde.
Der politische Berater José Alfonso Suárez del Real erklärte, Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum habe ihm versichert, dass das Casa del Poeta seine Identität behalten werde. Suárez del Real fügte hinzu, Kultursekretärin Ana Francis Mor habe zugesagt, kulturelle Aktivitäten mit Fokus auf Lyrik – einschließlich indigenen und afro-mexikanischen Sprachen – wiederzubeleben. Trotz dieser Zusagen besteht Rivera darauf, dass der literarischen Gemeinschaft ihr wertvollster Ort für Poesie entzogen werde.
Die Kontroverse lässt das Casa del Poeta in der Schwebe – eine klare Lösung ist nicht in Sicht. Die Petition zur Aussetzung der Veränderungen gewinnt zwar an Unterstützung, doch eine offizielle Reaktion der Verantwortlichen steht noch aus. Vorerst bleibt die Rolle des Gebäudes als zentraler Ort der Dichtung bedroht.






