Herrenschneiderei und Ostseefischerei sind jetzt deutsches Kulturerbe – doch der Döner fehlt
Paul MüllerHerrenschneiderei und Ostseefischerei sind jetzt deutsches Kulturerbe – doch der Döner fehlt
Deutschland hat neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu den jüngsten Ergänzungen zählen die Herrenschneiderei, die Schaustellerkultur auf Volksfesten sowie die Fischerei in der Ostsee. Doch einige prägende Elemente des deutschen Alltags – wie der Döner oder die SPD-Festwurst – erhielten keine offizielle Anerkennung.
Die Entscheidungen wurden von Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer, der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt gegeben. Weimers strenge Herangehensweise an die Kulturförderung hatte in den vergangenen Monaten bereits für Kontroversen gesorgt.
Die neu anerkannten Traditionen umfassen ein breites Spektrum an Bräuchen. Die handwerkliche Herrenschneiderei, ein Handwerk mit tiefen Wurzeln in der deutschen Geschichte, wurde wegen ihrer Präzision und kulturellen Bedeutung aufgenommen. Auch Schausteller, die auf Volksfesten für Unterhaltung sorgen, erhielten offiziellen Status. Weitere Neuzugänge sind die Ostseefischerei, das Straßenfußballspiel auf dem Bolzplatz sowie die Martinsumzüge im Rheinland.
Doch auf der Liste fehlen einige vertraute Aspekte der deutschen Kultur. Der Döner, eine in Berlin entstandene Variante des Kebabs, fand keine Berücksichtigung. Ebensowenig wie unabhängige, linksgerichtete Buchhandlungen oder die SPD-Festwurst. Die Auslassung der Herrenschneiderei in anderen europäischen Ländern wirft zudem die Frage auf, was die deutsche Variante besonders wertvoll macht.
Weimers jüngste Förderentscheidungen hatten bereits für Spannungen gesorgt. Anfang dieses Jahres strich er ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds. Der Schritt löste Proteste von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-geführten Bundesländern aus, die seine strengen Kriterien für kulturelle Anerkennung kritisierten.
Die aktualisierte Liste des immateriellen Kulturerbes umfasst nun 175 Traditionen. Die offizielle Anerkennung bedeutet, dass diese Bräuche künftig stärker geschützt und gefördert werden. Doch die Auslassungen und Weimers Förderpolitik deuten darauf hin, dass die Debatte darüber, was in Deutschland als kulturell bedeutend gilt, weitergeht.






