30 May 2026, 17:01

Florentina Holzinger sprengt mit radikalem Pfingstspiel alle Theatergrenzen

Florentina Holzingers radikales Pfingstspiel sprengt alle Theatergrenzen in Wien

Florentina Holzinger sprengt mit radikalem Pfingstspiel alle Theatergrenzen

Wien erlebte an Pfingsten ein Theaterereignis der besonderen Art: Florentina Holzinger präsentierte ihr radikales Pfingstspiel und brach dabei bewusst mit Konventionen. Die Performance, die erstmals auf dem Eis des Wiener Eislaufvereins stattfand, verband extreme Körperlichkeit mit religiöser Symbolik und einer Hommage an das Erbe Hermann Nitschs – doch auf ihre ganz eigene, provokante Weise.

Das Spektakel begann nicht im Theater, sondern führte das Publikum zunächst nach Schloss Prinzendorf, dem historischen Schauplatz von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater. Von dort aus entfaltete sich ein Abend, der zwischen Zerstörung und Transzendenz oszillierte – und am Ende sogar den Heiligen Geist in ungewöhnlicher Gestalt auf die Bühne brachte. Der Abend startete mit einer symbolträchtigen Reise. Die Zuschauer wurden nach Schloss Prinzendorf gebracht, wo Nitsch einst seine rituellen Performances inszenierte. Holzinger dekonstruierte dort mit ihren Darstellerinnen das Letzte Abendmahl – eine düstere, fast groteske Abwandlung von Nitschs ikonischen Bildern, bei der traditionelle Motive in radikale Körperkunst umgedeutet wurden.

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Zurück in Wien, auf dem Eis des Eislaufvereins, eskalierte das Geschehen: Ein Monstertruck zermalmte ein hölzernes Panzer-Modell – ein drastisches Bild der Zerstörung, das zugleich als Appell für Frieden zu lesen war. Parallel dazu ertrugen Performerinnen physische Extrembelastungen, etwa Haken unter der Haut, während Drohnen über einer gekreuzigten Figur kreisten. Diese Szenen erinnerten an Nitschs berühmte Malaktionen, doch Holzinger trieb die Intensität noch weiter. Ein Höhepunkt war der Auftritt einer nackten Frau, die sich von der Fassade des Intercontinental Hotels abseilte – eine direkte Referenz an Trisha Browns legendäre Performance Man Walking Down the Side of a Building von 1970.

Der radikale Kontrast folgte im Finale: Nach dem Tumult der Zerstörung schwebten Holzinger und ihre ‚Jüngerinnen‘ plötzlich in der Luft, fast wie in einer religiösen Verklärung. Der ‚Heilige Geist‘ erschien in Gestalt eines Fallschirmspringers mit taubenförmigem Helm, der eine weiße Fahne in die Trümmer pflanzte. Damit verschmolz die Performance religiöse Tradition mit avantgardistischem Theater – ein Spektakel, das Nitschs Einfluss ehrte, ohne sich ihm unterzuordnen.

Holzinger, die sich selbst vom radikalen Erbe des Aktionskünstlers inspirieren ließ, setzte bewusst auf ein rein weibliches Ensemble. Ihre Inszenierung sprengte nicht nur ästhetische, sondern auch geschlechtsspezifische Grenzen und hinterfragte dabei die Machtverhältnisse in der Performance-Kunst. Die Körper der Darstellerinnen wurden zu Leinwänden der Provokation, während die Bühne zum Schauplatz einer radikalen Neuerfindung wurde. Mit ihrem Pfingstspiel hat Florentina Holzinger ein Werk geschaffen, das zwischen Hommage und Rebellion schwankt. Die Performance hinterlässt ein ambivalentes Bild: Einerseits die brutale Zerstörung von Symbolen, andererseits eine fast mystische Erlösung in der Luft. Damit setzt sie Nitschs Tradition fort, ohne sie zu wiederholen – und beweist, dass radikales Theater auch heute noch polarisieren und faszinieren kann.

Der Abend im Wiener Eislaufverein wird nicht nur als künstlerisches Experiment in Erinnerung bleiben, sondern auch als Statement: Holzinger und ihr Ensemble zeigten, dass die Grenzen zwischen Schmerz, Ekstase und spiritueller Erfahrung auf der Bühne neu verhandelt werden können.

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