Finanzexperten diskutieren Strategien gegen die Folgen der anhaltenden Niedrigzinsphase
Miriam AlbrechtFinanzexperten diskutieren Strategien gegen die Folgen der anhaltenden Niedrigzinsphase
Über 220 Finanzexperten trafen sich im Hauptsitz der MLP in Walldorf-Wiesloch zu einer zweitägigen Schulungsveranstaltung. Die Tagung brachte 160 MLP-Berater mit Branchenexperten zusammen, um sich mit den drängenden Herausforderungen in der aktuellen Niedrigzinsphase auseinanderzusetzen. Die Diskussionen reichten von Anlagestrategien bis hin zu den gesamtwirtschaftlichen Folgen der anhaltenden geldpolitischen Lockerung.
Im Mittelpunkt der Schulung stand die Anpassung an eine Ära, in der risikofreie Renditen der Vergangenheit angehören. Fachleute warnten insbesondere davor, dass negative Zinsen deflationäre Tendenzen verschärfen könnten. Der Hedgefonds-Manager Jeff Gundlach wurde mit den Worten zitiert: "Negative Zinsen lassen Geld verschwinden, bremsen seinen Umlauf und vertiefen die Deflation."
Knut H. Moreth, Direktor für Portfolio-Management bei der Feri Trust, verwies auf Japans Erfahrungen seit 1999 als abschreckendes Beispiel. Die jahrzehntelange Niedrigzinspolitik des Landes habe, so seine Argumentation, die Wirtschaft nachhaltig geprägt – mit Folgen, die bis heute spürbar seien. Hans Werner Rapp, Chef-Anlagestratege bei Feri, unterstrich dies mit der Feststellung, dass die aktuellen Maßnahmen "die grundlegenden Marktprinzipien verzerren".
Neben dem Zinsumfeld wurden auch Immobilientrends, disruptive FinTech-Entwicklungen und ethische Dilemmata in der Finanzberatung thematisiert. Die Berater setzten sich zudem mit Erbschaftssteuerregeln, Nachfolgeplanung und den allgemeinen Schwierigkeiten auseinander, in einem volatilen Marktumfeld zu agieren. Die jüngsten Schritte der Europäischen Zentralbank – sechs Zinssenkungen seit Juni 2024, die den Leitzins bis März 2026 auf 2 % drückten – verliehen den Debatten zusätzliche Dringlichkeit. Zwar haben Inflationsängste und geopolitische Spannungen, etwa der Iran-Konflikt und steigende Energiepreise, Spekulationen über mögliche Zinserhöhungen im Jahr 2026 befeuert, konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Marktliquidität stehen jedoch noch aus.
Die Veranstaltung machte deutlich: Die Zeit garantierter Renditen ist vorbei. Finanzberater stehen nun vor der Aufgabe, Portfolios in einer Welt zu managen, in der Nullzinsrisiken dominieren. Angesichts des Balanceakts der Zentralbanken zwischen Lockerung und potenziellen Zinserhöhungen dürften die in Walldorf-Wiesloch diskutierten Strategien prägend dafür sein, wie Fachleute die kommenden Monate meistern.






