Estland schafft "graue Pässe" ab: Kinder erhalten künftig automatisch die Staatsbürgerschaft
Ida SchmitzEstland schafft "graue Pässe" ab: Kinder erhalten künftig automatisch die Staatsbürgerschaft
Estland plant eine grundlegende Reform seiner Staatsbürgerschaftspolitik. Ein neues Gesetz soll verhindern, dass Kinder künftig als Nicht-Staatsbürger geboren werden, wenn mindestens ein Elternteil die estnische Staatsangehörigkeit besitzt. Die Regelung zielt darauf ab, die Zahl der Menschen ohne estnischen Pass langfristig zu reduzieren und markiert damit einen deutlichen Wandel in der bisherigen Praxis.
Die Änderungen wurden von Parlamentsausschüssen bereits gebilligt und sollen nach der finalen Verabschiedung am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Bisher war es in Estland möglich, dass Kinder – selbst bei estnischen Eltern – als Nicht-Staatsbürger registriert wurden, wenn die Eltern explizit auf die Weitergabe der Staatsangehörigkeit verzichteten. Diese Praxis wird mit dem neuen Gesetz unterbunden. Künftig erhalten Kinder automatisch die estnische Staatsbürgerschaft, sobald mindestens ein Elternteil über einen estnischen Pass verfügt.
Eine Ausnahme gilt für Familien, die seit mehr als fünf Jahren als 'Seropass-Inhaber' in Estland leben. Ihre Kinder können unter bestimmten Bedingungen weiterhin die Staatsangehörigkeit erwerben. Gleichzeitig endet die Ausgabe der sogenannten 'grauen Pässe', die bisher an nicht-staatsangehörige Kinder vergeben wurden, die im Land geboren sind. Die Mehrheit der Betroffenen ist russischsprachig – viele von ihnen unterliegen derzeit Einschränkungen, etwa beim politischen Engagement.
Die Reform reagiert auf die langjährige Kritik an der Entstehung neuer Nicht-Staatsbürgerstatusse. Laut offiziellen Angaben soll die Neuregelung ab 2027 sicherstellen, dass keine weiteren Kinder ohne estnische Staatsangehörigkeit geboren werden. Damit will die Regierung die Integration fördern und rechtliche Ungleichheiten abbauen. Die geplante Gesetzesänderung setzt ein klares Signal für eine strengere Staatsbürgerschaftspolitik in Estland. Sie soll nicht nur die Zahl der Nicht-Staatsbürger verringern, sondern auch die Rechtsstellung russischsprachiger Familien langfristig klären.
Mit dem Inkrafttreten im Jahr 2027 wird Estland die automatische Vergabe der Staatsangehörigkeit an Kinder estnischer Eltern durchsetzen – ein Schritt, der die bisherige Praxis grundlegend verändert und die Gesellschaft homogener gestalten könnte.
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