Energiewende in der Krise: Warum Deutschland jetzt auf Gaskraftwerke setzt
Lotta BrandtEnergiewende in der Krise: Warum Deutschland jetzt auf Gaskraftwerke setzt
Deutschlands Energiewende bleibt eine Herausforderung für die Versorgungssicherheit
Der Umbau der deutschen Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien, die sogenannte Energiewende, sieht sich weiterhin mit Problemen bei der Stabilität der Stromversorgung konfrontiert. Zwar spielen Wind- und Solarenergie mittlerweile eine größere Rolle, doch konventionelle Kraftwerke bleiben als Backup unverzichtbar. Doch ihre Zukunft ist ungewiss – sinkende Gewinne und politische Streitigkeiten über ihren weiteren Betrieb machen ihnen zu schaffen.
Die Bundesregierung hat nun einen Plan vorgelegt, nach dem bis 2030 20 bis 30 moderne Gaskraftwerke mit einer anfänglichen Leistung von 12 Gigawatt gebaut werden sollen. Diese sollen die Stromversorgung sichern, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend verfügbar sind.
Die Debatte um konventionelle Kraftwerke hat an Schärfe gewonnen, während Deutschland seine grüne Energiepolitik vorantreibt. Die Anlagen sind zwar entscheidend für eine stabile Versorgung, doch ihre Wirtschaftlichkeit leidet. Niedrige Energiepreise und das aktuelle Energy-only-Marktmodell machen sie zunehmend unrentabel.
Die politischen Parteien schlagen unterschiedliche Lösungen vor: Die Grünen wollen bis 2030 aus Kohle- und Braunkohlekraftwerken aussteigen und diese durch moderne Gasturbinen sowie mehr erneuerbare Energien ersetzen. Die Linke geht noch weiter und fordert einen Kohleausstieg bis 2040, wobei Versorgungslücken durch kommunale Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen geschlossen werden sollen. Die CDU/CSU hingegen plädiert für einen ausgewogenen Mix aus erneuerbaren und konventionellen Energien und warnt, dass Subventionen nötig sein könnten, um die Kraftwerke am Laufen zu halten.
Die FDP unterstützt hochmoderne konventionelle Kraftwerke, befürchtet jedoch, dass ein französisches Kapazitätsmarktmodell deutsche Betreiber benachteiligen könnte. Die SPD erkennt zwar den Bedarf an Backup-Technologien an, geht auf die Rentabilitätsfrage aber nicht ein. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, betont, dass die Kosten nur durch eine sorgfältige Abstimmung zwischen Ausbau der erneuerbaren Energien, Netzmodernisierung und dem Betrieb konventioneller Kraftwerke beherrschbar bleiben.
Laut dem aktuellen Regierungsplan soll die erste Ausschreibung 10 Gigawatt an Gaskraftwerken umfassen, die jeweils mindestens zehn Stunden am Stück einsatzbereit sein müssen. Dies ist eine reduzierte Version des ursprünglichen Ziels von 20 Gigawatt, das im Koalitionsvertrag festgehalten war. Die Anlagen sollen bis 2031 in Betrieb gehen und als Übergangslösung dienen, bis erneuerbare Energien und Speichertechnologien weiter ausgebaut sind.
Mit dem Vorhaben, neue Gaskraftwerke zu bauen, will die Bundesregierung die Stromversorgung sichern, während Kohle- und Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen. Falls umgesetzt, würde der Plan bis Anfang der 2030er-Jahre 12 Gigawatt an Reservekapazitäten schaffen. Doch ob sich diese Kraftwerke langfristig rechnen und wie sich die Gesamtkosten der Energiewende entwickeln, hängt davon ab, wie gut es in den kommenden Jahren gelingt, erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur und konventionelle Kraftwerke in Einklang zu bringen.






