Atomausstieg nach Fukushima: Warum Deutschlands Stromhandel stabil blieb
Miriam AlbrechtAtomausstieg nach Fukushima: Warum Deutschlands Stromhandel stabil blieb
Deutschlands Atomausstieg nach Fukushima belastete den Stromhandel mit Nachbarländern nicht
Die Entscheidung Deutschlands, nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen, beeinträchtigte den Stromhandel mit den Nachbarstaaten nicht. Trotz der Abschaltung von fast der Hälfte seiner Atomkapazitäten blieb Deutschland zwischen 2011 und 2013 ein Netto-Stromexporteur. Dennoch bergen ausländische Atomkraftwerke weiterhin Risiken für die Grenzregionen.
In der Woche nach dem Unfall in Fukushima stellte Deutschland fast die Hälfte seiner Atomreaktoren ab. Dennoch führte dieser Schritt nicht zu einem Anstieg der Stromimporte aus Frankreich oder der Schweiz. Im Jahr 2012 überstiegen die deutschen Stromexporte die Importe sogar wertmäßig – ein Beleg für die Stabilität des Netzes.
Der deutsche Stromhandel basiert auf Überkapazitäten: Bei hoher Nachfrage wird exportiert, bei sinkendem Bedarf importiert. Atomkraftwerke hingegen laufen nahezu durchgehend auf Volllast und lassen keinen Spielraum für zusätzliche Importe. Deutschland konnte seinen Wegfall an heimischer Atomstromproduktion daher nicht einfach durch ausländische Lieferungen ausgleichen.
Anders als Deutschland betreiben Frankreich und die Schweiz Atomkraftwerke nahe der Grenze, was deutsche Regionen wie Freiburg potenziellen Risiken aussetzt. Frankreichs älteste Meiler – teilweise über 40 Jahre alt – laufen trotz veralteter Infrastruktur weiter. Mit Ersatz ist erst ab 2038 zu rechnen, sodass langfristige Bedenken bestehen bleiben.
Auch die Versicherungsfrage ist ungelöst: Atomunfälle – ob in Deutschland oder im Ausland – sind für Anwohner in Grenznähe nicht versicherbar. Österreich hingegen verbot 2015 den Import von Atomstrom und widerlegte damit die Behauptung, es sei von billigem tschechischem Atomstrom abhängig.
Der deutsche Atomausstieg hat den Stromhandel zwar nicht destabilisiert, doch die grenzüberschreitenden Risiken bestehen fort. Angesichts der überalterten französischen Reaktoren und fehlender Neubauten für Jahrzehnte bleiben die benachbarten deutschen Regionen potenziellen Gefahren ausgesetzt. Bisher haben die heimischen Stromüberschüsse und stabilen Handelsbeziehungen den Verlust der inländischen Atomkapazitäten ausgeglichen.






