Apothekenreform 2026: Bundestag ringt um Zukunft der ländlichen Versorgung
Miriam AlbrechtApothekenreform 2026: Bundestag ringt um Zukunft der ländlichen Versorgung
In Deutschland hat die seit Langem schwelende Debatte über Apothekenreformen eine entscheidende Phase erreicht. Am 27. Februar 2026 fand im Bundestag die erste Lesung des von der Regierung vorgeschlagenen Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) statt – ein Gesetz, das die Versorgung durch Apotheken, insbesondere in ländlichen Regionen, stärken soll. Die Diskussionen folgen auf jahrelangen Druck von Apothekeninhabern und -mitarbeitern, die warnen, dass ohne dringende Änderungen sowohl die Patientenversorgung als auch die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe auf dem Spiel stehen.
Der Reformprozess hat in den vergangenen fünf Jahren an Fahrt aufgenommen, wobei Abgeordnete nun mehrere Vorschläge prüfen. Neben dem Regierungsentwurf (Drucksache 21/4084) haben auch die Oppositionsparteien Die Linke (21/3829) und AfD (21/2553) eigene Gesetzentwürfe eingereicht. Eine parlamentarische Anhörung am 4. März 2026 wird diese Vorlagen eingehend beleuchten.
Apothekeninhaber fordern zentrale Änderungen: vereinfachte Genehmigungen für Filialapotheken (Zweigapotheken) in unterversorgten Gebieten, Modelle für geteilte Leitungsstrukturen zur Entlastung der Arbeitsbelastung sowie stärkere finanzielle Unterstützung für unabhängige Apotheken. Zudem verlangen sie weniger bürokratische Hürden, einen Ausbau der Gesundheitsdienstleistungen und eine größere Anerkennung ihrer Rolle bei der Vermeidung von Medikationsfehlern. Fachkräftemangel und schrumpfende Gewinne haben diese Forderungen noch dringlicher gemacht.
In Dresden besuchte die SPD-Abgeordnete Rasha Nasr die Knut-Apotheke, um sich vor Ort ein Bild von den Sorgen des Inhabers Michael Gäbe zu machen. Obwohl Nasr selbst keine Expertin für Gesundheitspolitik ist, hörte sie aufmerksam zu, als Gäbe die ungerechten Gebührenstrukturen und die wirtschaftliche Belastung der Apotheken ansprach. Gäbe betonte, dass ohne fairere Vergütung die Versorgungsqualität leiden werde. Kritisch äußerte er sich auch zu Plänen, Pharmazeutisch-technischen Assistenten mehr Verantwortung zu übertragen – dies würde den Personalmangel verschärfen und die Patientensicherheit gefährden, so seine Argumentation.
Gäbe verwies zudem auf den gesamtgesellschaftlichen Nutzen von Apotheken als erste Anlaufstelle für gesundheitliche Beratung, die durch die Vermeidung gefährlicher Wechselwirkungen zwischen Medikamenten Entlastung für Ärzte und Krankenhäuser schafft. Nasr nahm diese Punkte zur Kenntnis und versprach, sie an die Entscheidungsträger in Berlin weiterzugeben.
Die anstehende Bundestagsanhörung wird die verschiedenen Reformvorschläge gegen die Warnungen der Branche abwägen müssen. Die Apothekeninhaber bestehen darauf, dass finanzielle Stabilität und berufliche Autonomie unverhandelbar sind, um die Versorgungsleistungen aufrechtzuerhalten. Das Ergebnis dieser Debatten wird maßgeblich prägen, wie Apotheken – besonders in ländlichen Gemeinden – in den kommenden Jahren arbeiten werden.






