Apotheken in Deutschland kämpfen um ihre Zukunft gegen Online-Konkurrenz
Miriam AlbrechtApotheken in Deutschland kämpfen um ihre Zukunft gegen Online-Konkurrenz
Deutschlands Arzneimittelversorgung steht am Scheideweg, warnt die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Vorstandsvorsitzender Matthias Schellenberg betont, dass anstehende Reformen und politische Weichenstellungen die Zukunft der Apotheken prägen werden. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der Online- und Versandapotheken zunehmend an Einfluss gewinnen und den Markt umkrempeln.
In den vergangenen drei bis fünf Jahren haben Online-Apotheken in Deutschland ein rasantes Wachstum erlebt. Die apo.com-Gruppe verzeichnete für 2025 einen Umsatz von 375 Millionen Euro – bei einem Anstieg der verschreibungspflichtigen Medikamentenverkäufe um 75 Prozent. Die Redcare Pharmacy rechnet für 2026 mit einem Umsatzplus von 13 bis 15 Prozent und erwartet, dass die Verkäufe rezeptpflichtiger Arzneimittel die Marke von 670 Millionen Euro übersteigen werden. Gleichzeitig haben etablierte Anbieter wie Shop Apotheke und DocMorris ihre Bekanntheit auf 83 bzw. 76 Prozent gesteigert. Selbst große Drogerieketten wie DM drängen in den Online-Markt für rezeptfreie Medikamente (OTC) und verschärfen so den Wettbewerb.
Stationäre Apotheken ziehen zwar weiterhin jüngere Kundschaft an, verlieren jedoch ältere und chronisch kranke Patienten an die Online-Konkurrenz. Schellenberg stellt klar: "Arzneimittel sind keine gewöhnlichen Konsumgüter." Er warnt davor, sie als solche zu behandeln, und betont, dass Apotheken ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung bleiben müssen – und nicht allein Marktmechanismen unterworfen sein dürfen.
Die Landesregierungen zeigen zwar Verständnis für einige Sorgen der Branche, doch bleibt ungewiss, welche Forderungen im Parlament aufgegriffen werden. Schellenberg pocht darauf, dass die Politik die Expertise der Apotheker einbeziehen muss, um eine zuverlässige Arzneimittelversorgung und fachkundige Beratung zu gewährleisten. Eine weitere Schwächung des flächendeckenden, professionell geführten Gesundheitsnetzes wäre seiner Meinung nach leichtsinnig.
Der Trend zu Online- und Versandapotheken verändert, wie Patienten in Deutschland an ihre Medikamente gelangen. Schellenbergs Warnungen unterstreichen die Notwendigkeit, Wettbewerb mit Patientensicherheit und fachlicher Betreuung in Einklang zu bringen. Die anstehenden Reformen werden entscheiden, ob die lokalen Apotheken ihre zentrale Rolle im Gesundheitssystem behaupten können.






