Amanda Knox unterstützt verurteilte Krankenschwester Lucy Letby – und löst Empörung aus
Lotta BrandtAmanda Knox unterstützt verurteilte Krankenschwester Lucy Letby – und löst Empörung aus
Amanda Knox hat der verurteilten Krankenschwester Lucy Letby einen Solidaritätsbrief sowie ein Exemplar ihrer Autobiografie zugesandt. Der Schritt erfolgt Jahre, nachdem Knox selbst in einem viel beachteten Mordprozess angeklagt und später freigesprochen wurde. Ihre Geste stößt nun bei der Familie von Meredith Kercher, dem Opfer in Knox' ursprünglichem Fall, auf scharfe Kritik.
Knox, die 2015 nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen um den Mord an Kercher im Jahr 2007 freigesprochen wurde, schickte Letby kürzlich einen persönlichen Brief sowie ihr 2022 erschienenes Buch Frei. In ihrer Autobiografie schildert sie ihr Leben nach der Haftentlassung. Zudem schrieb sie an Letbys Eltern und spendete ihnen aufmunternde Worte.
Bei einer Fragerunde in London zu ihrem Dokumentarfilm Der Wolf im Nacken äußerte sich Knox emotional über ihr eigenes Martyrium. Sie argumentierte, dass man Urteile selbst dann hinterfragen solle, wenn es keine eindeutigen Beweise für Unschuld gebe. Ein Teilnehmer berichtete später, Knox habe Letby in ihrer Korrespondenz dazu ermutigt, sich an der "Hoffnung" festzuhalten.
Der Anwalt der Familie Kercher, Francesco Maresca, reagierte scharf auf Knox' jüngste Aktionen. Er warf ihr vor, sich an Kercers Andenken zu "bereichern", und erklärte im Namen der Familie: "Es reicht." Knox hatte bereits 2013 mit Warten auf Gerechtigkeit ein Buch über ihren ersten Prozess und ihre Inhaftierung veröffentlicht.
Knox' Unterstützung für Letby hat die Debatte über ihre öffentliche Rolle seit dem Freispruch neu entfacht. Die Kritik der Familie Kercher zeigt, wie sehr die Spannungen aus dem ursprünglichen Fall nachwirken. Letby hingegen sitzt weiterhin im Gefängnis, nachdem sie wegen der Tötung von sieben Säuglingen in ihrer Obhut verurteilt wurde.






