AfD zerrissen: Machtkampf zwischen NATO-Befürwortern und Russland-Freunden eskaliert
Ida SchmitzAfD zerrissen: Machtkampf zwischen NATO-Befürwortern und Russland-Freunden eskaliert
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik reißt die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) auseinander. Die Auseinandersetzung spaltet die Partei in ein pro-NATO-Lager und eine russlandfreundliche Fraktion – und legt tiefe Gräben innerhalb der Bewegung offen. Aktuelle Konflikte um die Beziehungen zu den USA, die Rolle der NATO und die Bedrohung durch Russland haben die internen Machtkämpfe weiter verschärft.
Die Spaltungen in der Außenpolitik begleiten die AfD bereits seit ihrer Gründung im Jahr 2013. Frühere Meinungsverschiedenheiten zwischen Befürwortern einer Annäherung an die USA und denen einer Russlandsympathie sind nun in offenen Streit umgeschlagen. Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der Partei, wirft dem russlandfreundlichen Flügel um Björn Höcke vor, ihn aus der Partei drängen zu wollen. Lucassen, ein entschiedener NATO-Unterstützer, bezeichnet Russland als größte Gefahr für die östliche Flanke des Bündnisses – was ihm von innerparteilichen Kritikern den Spottnamen "NATO-Bubi" eingebracht hat.
Im Januar eskalierten die Spannungen, als der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla den Abzug der US-Truppen aus Deutschland forderte. Der Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah widersprach öffentlich und betonte, Deutschland brauche "starke Partner" wie die USA. Die Kluft vertiefte sich weiter, als der Verteidigungsexperte Hannes Gnauck während des Iran-Konflikts eine proamerikanische Pressemitteilung verfasste – die jedoch von den Parteispitzen Alice Weidel und Chrupalla blockiert wurde.
Doch die Probleme der AfD beschränken sich nicht auf die Außenpolitik. Martin Sellners umstrittene "Remigrations"-Pläne, die selbst deutsche Staatsbürger treffen könnten, belasten die Partei weiterhin politisch. Trotz massiver Kritik hat sich die Führung nicht klar von Sellner distanziert, was die Isolation der AfD weiter verfestigt. Krah warnt, dass solche radikalen Positionen den cordon sanitaire stärken – also die Weigerung anderer Parteien, mit der AfD zusammenzuarbeiten.
Korruptionsermittlungen und Vorwürfe des "Putinismus" setzen die Partei zusätzlich unter Druck. Während Politiker wie Krah und Gnauck für engere Bindungen an den Westen plädieren, wirbt Höckes Flügel weiterhin für eine russlandfreundliche Linie. Das Ergebnis ist eine zerrissene Partei, die sowohl in ihren globalen Bündnissen als auch in ihrer innenpolitischen Glaubwürdigkeit gespalten ist.
Der außenpolitische Richtungsstreit der AfD zeigt keine Anzeichen einer Lösung. Die NATO-Befürworter liegen mit den Russland-Sympathisanten im Clinchen und untergraben damit den Zusammenhalt der Partei. Gleichzeitig hält die Weigerung, sich von umstrittenen Figuren wie Sellner zu distanzieren, die AfD politisch in der Bedeutungslosigkeit gefangen. Der Ausgang dieses Machtkampfs wird die Zukunft der Partei prägen – und ihren Platz in der deutschen Politik.






