AfD Baden-Württemberg: Machtkämpfe und Vorwürfe erschüttern die Partei von innen
Paul MüllerAfD Baden-Württemberg: Machtkämpfe und Vorwürfe erschüttern die Partei von innen
Zwei interne Beschwerdebriefe haben tiefe Gräben innerhalb der Alternative für Deutschland (AfD) in Baden-Württemberg aufgedeckt. Die von Der Spiegel eingesehenen Dokumente enthüllen scharfe Kritik an der Landesführung, darunter Vorwürfe des Machtmissbrauchs und finanzieller Fehlverwaltung. Trotz der Kontroversen wurde der Landesvorsitzende Markus Frohnmaier mit über 91 Prozent der Stimmen wiedergewählt – ein Rekord für einen AfD-Landeschef in der Region.
Der erste Brief stammt von Rüdiger Klos, einem ausscheidenden Landtagsabgeordneten und Gründungsmitglied des AfD-Landesverbands Baden-Württemberg. Nach einem Jahrzehnt in der Partei warnte Klos, dass inkompetente Führung bei Regierungsverantwortung zu „Chaos für Deutschland“ führen könnte. Er wirft der Landesführung vor, Kritiker durch Ausschlussverfahren zum Schweigen zu bringen, und vergleicht die Methoden mit „Säuberungen, wie sie an totalitäre Systeme erinnern“, sowie „innerparteilichen Praktiken im Stil Goebbels’“.
Ein zweiter Brief, unterzeichnet von langjährigen Mitgliedern zweier Kreisverbände, äußert Bedenken hinsichtlich Machtkonzentration, Vetternwirtschaft und mangelnder Transparenz in Finanzfragen. Die Gruppe fordert eine unabhängige Prüfung der Landespartei-Finanzen, insbesondere mit Fokus auf das umstrittene Ludwigsburger Erbe. Sie beschreiben einen Wandel „von basisdemokratischen Strukturen hin zu einer autokratischen Funktionärspartei“, geprägt von „Machtcliquen“ und einer „Kultur der rücksichtslosen Selbstbereicherung“.
Die Beschwerden wurden an die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla gerichtet und belasten die Parteiführung zusätzlich. Dennoch sicherte sich Frohnmaier trotz der Vorwürfe mit überwältigender Unterstützung auf dem Landesparteitag die Wiederwahl.
Die Briefe verdeutlichen die wachsenden Spannungen im baden-württembergischen AfD-Landesverband, wo Vorwürfe von Autoritarismus und finanziellen Unregelmäßigkeiten mit der starken Rückendeckung für die aktuelle Führung kollidieren. Die Forderungen nach Transparenz und Reformen setzen nun die bundesweiten Parteichefs unter Zugzwang, die Kritikpunkte aufzugreifen.






